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meine erfahrungen, die ich seit '96 größtenteils auf der ostsee boddengewässer und nordsee mit meinem acat_bimare bj '80 als wanderboot gemacht habe und zwar langstreckenmässig,

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segeltour 2000 mike stolle
rostock - kopenhagen - anholt - frederikshafen



das war meine wirklich harte sturm und drang phase, das 1. mal mit notsender, eine neue qualität ein neues universum, bis dahin musste ich mich immer am ufer langhangeln, was teilweise gefährlicher ist als quer rüber zu fahren, gps hatte ich auch noch nicht, nur einen kompass, ich wollte wissen, was mit dem boot alles geht

die highlites:
alle ziele waren nicht wirklich geplant sondern haben sich ergeben

1. tag rostock - darsser ort, überfahrt nach gedser wegen zu böigen verhältnissen und gewittergefahr nicht möglich

2. tag rüber nach falster anfangs regen drüben dann sonne, die 2. überfahrt meines lebens, ich war ein held, hier gleich mal die orientierung verloren, statt richtung moen bin ich richtung gedser, halber tag verlust, hätt ich mal lieber gleich auf den kompass geguckt

3. tag bei fastflaute los richtung moen, plötzlich von einer sekunde auf die nächste 6bft aus west, ich habe es schon zeitig vom weiten herannahen sehen, halbe stunde später schon ordentliche see aufgebaut, ich hinter die felsen von moen im windschatten, sobald ich nördlich wieder rauskam ging der stress los, sturzböen von den kreidefelsen und grosse welle, ich möchte behaupten auf dieser fahrt hab ich das segeln wirklich gelernt, 3h später stundenlanges absuchen des horizonts nach dem nahenden land, nichts passierte, nach einer ewigkeit dann plötzlich land in sicht, es sollte aber nicht das land sein welches ich erreichen werde, zu hoch am wind, es war nur das kap zwichen fakse und koge bucht, nochmal 3h später dann das worauf ich gewartet habe, die pylone von der öresundbrücke blinkten einsam am horizont in der tosenden see, ich wusste wieder wo ich mich befand, mein instinkt hat mich exakt hierhergebracht, bin noch bis durch die brücke und dann in den hafen reingedonnert, es war viel wind und fast unmöglich hier im hafen zu manövrieren, ich war ausgelaugt, bin 8h auf dem selben bug gefahren, mein hals war steif, das war die längste nonstopfahrt meines lebens 110km

4. tag der öresund brodelte, ich konnte nicht warten, weiter gings, nordwest 6, elende wellenverhältnisse weil strömung, ausserdem massivstes schiffsaufkommen, bis insel ven, wunderbar+sonne

5. tag bis helsingör, nicht weit, ruhiger tag, schloss angeguckt

6. tag denkwürdiger tag, nordwest anfangs 6, regen, es wurde nicht hell, wollte ich raus ins kattegat, für mich ein völlig neues revier, es hat mich nicht hereingelassen, monsterwellen von vorn, ich habe 10min gekämpft das boot ist extrem gesprungen, schnell zurück, jetzt schon eine 7, bin bis kurz vor kopenhagen zurück bei einer 8, sturmtief, hätte es fast nicht mehr geschafft ans ufer zu kreuzen, alles privatstrand war mir egal, notsituation, mir wurde dann sogar kaffee und belegte bröt. gereicht, jetzt hackte es richtig mit 9 + regenguss, sie sagten, ihr nachbar sei ein grosser segler, paul elvström, hab ich irgendwie schonmal gehört.......

7. tag ....aber als er den nächsten tag leibhaftig vor mir stand, ich gerade weiter wollte, er mir voller bewunderung sagte, daß er noch nie hier in dem revier so ein zerbrechliches boot gesehen hat und respekt zollte, sah ich es als zeichen von oben, fühlte mich sehr gestärkt,
erst zu hause informierte ich mich richtig, er ist einer der erfolgreichsten segler aller zeiten, vor allem im tornado was für ein zufall, na wer hier in dem harten revier übt muss es ja können,
später bin ich wieder oben ins kattegat raus, diesmal hats mich gelassen, super sonne, super kreuzwind 3-4 der sich aber später zu einer flaute auswuchs, ich machte experimente mit gewichtsverlagerung auf den leerumpf, bis kurz vor einfahrt roskildefjord, wunderbarer strand

8. tag anfangs totalflaute, bis hesselö, merkwürdige privatinsel, rehe bis auf 5meter völlig zahm, 1h später gings weiter, mittlerweile 4, ich wollte eigentlich nach westen rüber, hab auch schon das ufer von grenaa gesehen, plötzlich sehe ich, wunder, am horizont insel anholt, zumindest glaubte ich das, es dauerte aber noch mind. 3h bis ich da war, wie im robinson-märchen, meine ersten seehunde in live, ein verrostetes fahrrad stand einfach so rum im wald, scheint hier so usus zu sein, bin damit zum hafen, hab mich vergewissert, daß es wirklich anholt ist

9. tag meine schlimmste fahrt:
anholt nach jütland bei plötzlich starkem südostwind, extrem hohe welle, fast halb so hoch wie der mast, ich bin vor dem wind abgelaufen, wenn ich nicht den notsender dabei gehabt hätte, ich hätte mir in den neoprener geschissen, für bruchteile von sekunden konnte ich den blick mal hinter mich richten, die wellen sahen grauenvoll aus, zum glück hab ich das dann die ganze zeit nicht mehr sehen müssen, ich war ständig bemüht die rümpfe nicht unterschneiden zu lassen, gewicht war ganz hinten, ich hatte gar keine zeit angst zu haben, permanent das wasser beobachtend auf mögliche entstehende brecher, davon gabs genug, habe die monsterseen von hinten überholt, grossen kursspielraum hatte ich nicht, ging ein brecher vor mir durch, so musste ich die fahrt abbremsen indem ich etwas anluvte, oder ich musste etwas beschleunigen,
das einzige segel, welches sich nicht reffen ließ, zog sowieso nur noch ganz unten an einem kleinen stück, platt vor den wind konnte ich nicht gehen, würde mir das segel zerstören wegen schamfilen am mast, ich hatte einen kurs von vielleicht 150grad, das tempo war enorm aber optimal für diese umstände, ich hatte das gefühl, daß das material mittelmässig beansprucht wird, die fahrt dauerte mind. 4h, (gefühlte 10h) , ich bin bei lyngsä 30km unter saeby angelandet, ein däne kam mir entgegengerannt, konnte nicht glauben, daß noch jemand draussen segelte, hat mich gleich gefragt, ob ich 1. hilfe benötige, ich verneinte, wollte nur wissen wo ich mich genau befand, hätte ja auch norwegen sein können, für mich hatte sich diese saison erledigt, keine lust mehr, trotzdem sehr erhebendes gefühl es geschafft zu haben,
was noch zu erwähnen wäre, bin dann einmal sogar wegen nachlassender konzentration von einem brecher überrascht und eingedeckt worden und gekentert, mit hilfe der grossen wellen und dem starken wind stand das boot schneller als ich dachte, nur das wiedereinsteigen machte mir grosse mühe, heute weiss ich, daß man sich am trapezhaken hochziehen soll,
habe sogar noch 2 halsen hingezaubert, weiss nicht mehr wie ich das geschafft habe, vielleicht im wellental?
- ein ruder ist mir noch später beim surfen auf einer welle abgebrochen, bin die zweite hälfte nur mit einem ruder gefahren, ich konnte dann nicht mehr so schnell fahren sonst wäre die strömung abgerissen
- erst am strand hat man wirklich gemerkt wie stark der wind war (ca. 8bft) aber zum glück die ganze zeit sonne,
dann gabs das beste eis meines lebens im supermarkt der dort sogar sonntags geöffnet hat

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