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S:
wie kam es zur idee?
F: ich hab
mal ganz früher von romamusik
ein bißchen was gehört und war da ganz fasziniert und irgendwie
muss man ja zugeben, daß jegliche art von musikkonserven
ja quasi tourismus
ist, es ist ja dann fast egal für mich gewesen, ob das jetzt balkan,
tsziganij, oriental oder was auch immer ist, was
man hier so auf dem markt erstöbern
kann, wenn man nach anderer musik sucht, nicht nur nach den schubladen,
sondern ich hab mir meine eigne schublade
kreiert, die da romaragga
heisst
S: seit wann
machst du das jetzt schon?
F: das gibt
es seit glaub ich, seit wann macht eigentlich henry die fanfare
ciocarlia?
S: seit 7 jahren?
F: ja vielleicht
seit 7-8 jahren
S: ach, hatte
das direkt was mit den fanfares
zu tun?
F: ja, der
auslöser war das
im endeffekt, neben der reggaemusik
die sich aus dem hören von dub
etc. hergeleitet hat, mit meinem kollegen henry
sical, der in berlin das
fanfare asphalt tango
label betreibt und die fanfares
damals entdeckt hat, ich solche musik gehört hab, bin auch mal
hingereist als quasi patenonkel,
hab da mal 'ne feier mitgefeiert, fand die musik natürlich ganz
grandios, musik erlebt man natürlich logischerweise auch anders,
wenn man die live
hört im ursprungsland
S: wie kam es
zur vermischung?
F: naja, mich
beeindruckt reggaemusik
genauso wie die zigeunermusik
und aus dieser mischung
heraus hat sich dann einfach so ein wortspiel
ergeben, vielleicht auch ein bißchen naivität, daß man einfach
nicht drinsteckt und da lockerer damit umgeht, als wenn man jetzt
die etikette wahren
will und über zb. dancehall
philosophiert und ahnung hat
S: es ist ja
fast schon chic
solche stile zu vermischen,
aus dem mutterland des
reggae kommen ja
jetzt mittlerweile auch solche sachen, ich nehme an, du hast auch
schon immer die verschiedensten stile
miteinander vermischt,
getestet und festgestellt, daß bestimmte sachen gut zusammen funktionieren
F: ja, am anfang
war das natürlich für die leute noch etwas gewöhnungsbedürftig,
daß das für normal-partygänger-hörerschaft
einfach ein zu harter bruch
gewesen ist, wobei ich das alles beides musikalisch
sehr wertvoll finde,
also wenn es um langsame musik, getragene musik, wenns um stimmen
geht, das was mein freund mike stolle
schon oft polemisiert hat, daß es bei guter
musik in erster linie um stimme
geht, bei reggae
geht es um stimme,
so ähnlich ist es auch bei dieser roma-tsziganij
musik, wo die stimme
reichtum darstellt, wo die stimme
das ist, was die leute nicht haben, nämlich reichtum
und goldene zähne,
sondern die stimme
das ausdrückt, was deren lebensgefühl
ist
S: was erwartet
den besucher bei einer romaraggaveranstaltung,
was kommt da für mugge
F: also meistens
gibt es ja keine eigene romaraggadisco,
sondern es ist meistens in verbindung mit einer band,
es baut sich dann immer auf der performance
der band auf, jenachdem
wie die stimmung
ist und wie auch die tanzlaune
des publikums ist, es geht manchmal extrem langsam
los, ich hab zb. damals in berlin pfefferberg
vor der fanfare
extrem elegische
sehr langsame stücke
gespielt, die super wunderschön
waren, die absolut dramatisch, tragisch,
melancholisch waren, eben untanzbar,
in der pause kann man sowas machen aber nach dem konzert gab's
dann ramba zamba
da ging die post ab, richtig tambal
richtig toni iordache,
ist einer der schnellsten,
die es überhaupt gegeben hat, die spielen hochgeschwindigkeitsmusik,
dagegen ist drum'n bass
ein witz, genauso, wie die fanfare
eben sehr schnell spielt, ohne das jetzt klassifizieren zu müssen,
behauptet ja die band, daß sie die schnellsten
der welt sind, am blasinstrument
zumindest, da weiss man dann schon so erfahrungsgemäß, wie das
publikum noch mittanzen
kann, das bedeutet, das man dann doch gefälligere
stücke spielt, die für die hiesigen tanzgewohnheiten
noch tragbar sind, wenn zb. die zigeunerband
hier spielt oder eine mazedonische
band oder was auch immer, und man macht dazu diese
musik, dann wird sie am ehesten angenommen, weil dann sind die
leute quasi noch durch die livemusik
weichgeklopft, im anderen fall ist es so, wenn
es einen liveact
aus der reggae-ragga richtung
gäbe, wäre es natürlich noch wesentlich spannender, du selber
hast doch mal die idee gehabt einen balkanbläsersatz
mit einer reggaeband
zu kombinieren,(ten colors
meets fanfare ciocarlia
live) das ist schon eine super spannende sache, das ist
so ein phantasmus
der mir so vorschwebt, es ist natürlich schon schwierig, solche
musiker zusammenzubringen, es ist eben nicht nur studioarbeit,
sondern es ist auch viel leben, das müsste performt werden, das
müsste gezeigt werden, das müsste tatsächlich gelebt werden
S: das müsste
gewollt werden
F: die
zigeuner sind ja manchmal auch frech
und lassen sich nicht für jedes projekt breitschlagen, für geld
machen die natürlich auch 'ne ganze menge glaub ich, so wie die
jamaicaner ja auch, da nehmen die sich untereinander
fast garnichts...
S: und die europäer
der vollständigkeit halber auch nicht
F: ... aber
wer spuckt das geld für so ein stileprodukt
aus, damit die ganzen musiker so hoch motiviert werden für den
europäischen markt,
so eine rein intellektuelle kreation
zu vollführen ???...
S: wie kombinierst
du die lieder, ich stelle mich mal ganz dumm, immer 1 reggaestück
dann 1 romastück...??
F: neeiin!!!,
auf keinen fall
S: oder wie
lange läuft immer ein stile
F: manchmal
gibt es so überschneidungen,
es gibt zb. wunderbare reggaestücke
die heftige bläsersätze
drinhaben, so wie man im roma auch mal ins
lateinamerikanische abdriften kann, weils
da eben auch ab und zu heftige bläsersätze
gibt
S: ach so, romaragga
kann also bedeuten, daß da auch mal lateinamerikanische
musik kommt
F:
ich hab da keine berührungsängste,
weil ich mir das so kreiert habe, daß ich das relativ fliessend
handhabe, und versuche natürlich, jenachdem, wie das publikum
drauf kommt, es strikt zu handhaben, es gibt eben reggaelastiges
publikum oder anderes publikum, man merkt das
eben an der tanzfläche,
ich hab da schon tolle partys
erlebt, manchmal waren es eben nur 5
damen, die sich auf der tanzfläche
bewegt haben, denen konntest du dann fast vorspielen was du wolltest,
die haben dann immer getanzt, weil die tanzen wollten, das ist
die schönste situation, dann kann man genau das machen was man
will.
S:
danke

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frank
patitz

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