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ten colors, messer banzani, think about mutation, die art, eastern dub community, love is colder than death ...
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pionear interview (dez.'03)

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pionear
interview (Dez'03) L: = Leander (Lanni) Topp, aka  pionear, S: = Studiobunker


 

 

... wir hatten früher die ehre, gemeinsam musik zu machen, in der band "messer banzani", wie lange ist das jetzt eigentlich schon her, vielleicht 7 jahre? L: ist das schon so lange her?...obwohl, '96 glaub ich, das wären tatsächlich 7 jahre S: mir kommt es vor, als wäre es gestern, zur frage:
S: was hat sich aus deiner sicht seit damals reggaemäßig in deutschland und in der welt getan, gab es eine positive entwicklung?
L: das ist natürlich eine sehr umfassende frage
S: laß dir zeit, und dreh dir erstmal einen joint
L: also, ich setze den knackpunkt, was reggae in deutschland betrifft, so auf '98, da hat "gentleman" seine 1. platte rausgebracht, und in den zeiten davor war es halt so, daß reggae wirklich eine absolute nischenmusik war, und wenn ich heute so die messer banzani-geschichte betrachte, dann war das immer nur ein kampf gegen ignoranz oder dagegen, daß die leute gesagt haben:"was?..reggae und aus deutschland, und wenn ihr deutsch singen würdet...?" und hin und her, aber es war halt so, daß reggaemusik in deutschland hauptsächlich durch die alten sachen definiert wurde, also natürlich bob marley und rootsreggae und sowas, und '98 ist für mich dann immer so ein jahr, in dem dann deutlich wurde, daß die soundsystems die es damals gab, regelmäßig viele leute gezogen haben, und daß sozusagen eine neue generation publikum dazugekommen ist, die sich hauptsächlich vom dancehallsound, also vom elektronischen sound angezogen fühlte.
S: und es kamen leute vom hiphop...
L: genau, es gab sehr viele leute, die vom hiphop rübergekommen sind, und es gab plötzlich so eine art aufbruchsstimmung, und es waren plötzlich nicht mehr 200 leute, sondern bei größeren sachen schonmal 800 oder noch mehr, und dadurch, daß die verwandtschaft zum hiphop so deutlich wurde, gab es natürlich auch mehr aufmerksamkeit von den medien, aber selbst tilmanns (gentlemans) sachen liefen unter der rubrik hiphop, also er hat auf hiphop-veranstaltungen gespielt, und dadurch auch sehr viele leute rübergezogen, hatte viele fans durch seine freundeskreis-aktionen und war ja auch mit denen unterwegs.
S: aber es gab doch auch schon vor dieser zeit den einen oder anderen reggaehit, war das nun der große reggaedurchbruch oder war's das schon, oder kommt noch was?
L: das kann man so oder so sehen, ich denke es sind ja auch schon wieder 5 jahre vergangen. zwar spricht alle welt von einem reggaehype, aber wenn man sich's mal genau anguckt, sind es im grunde nur gentleman und seeed, die überregional oder sagen wir mal bundesweit erfolg haben.
S: obwohl seeed für mich garnicht so die typische reggaeband sind, sie nutzen nur reggaestilmittel
L: das denke ich auch, ich meine, bei tilmann ist es natürlich klar, dadurch, daß nun schon das 2. album raus ist, und das war ja im großen und ganzen ein gutes album, das wurde natürlich schon als reggae wahrgenommen, aber es ist nicht so, daß heutzutage in deutschland 1000e von leuten rumrennen und ahnung von reggaemusik haben, das ist zwar bekannt, daß seeed und tilmann irgendwie eine art reggae machen, aber ich denke halt, daß tilmann vor allem über sein charisma funktioniert, als person, und seeed ist eigentlich noch mehr als gentleman ein crossoverfähiges ding, ich habe jetzt ein paar konzerte gesehen, die leute die da kommen, sind einfach auch kein reggaepublikum, ist ganz normales mainstream-publikum
S: viva-publikum
L: genau, das möchte ich jetzt auch nicht beurteilen, ob das gut oder schlecht ist, aber was ich sagen will ist, wenn bei seeed 1000 leute dastehen, diese 1000 leute dann nicht auch automatisch zu buju banton gehen, weil sie jetzt reggae so geil finden, sondern das ist halt mehr auf diese acts beschränkt. natürlich ist die ganze reggaeszene grösser geworden, in dem sinne, daß da eben einfach mehr leute zu den veranstaltungen kommen, aber nur annähernd von der größe zu sprechen, die hiphop hier bekommen hat, ende der 90er, da ist es glaub ich noch ein ganzes stück, ich denke auch nachwievor, daß reggae als kulturform oder wie auch immer, überhaupt noch nicht etabliert ist, das merkt man halt im umgang mit irgendwelchen leuten oder medien, die haben zwar so ein paar schlagworte gehört, aber da ist nicht wirklich mehr wissen da, da ist sehr viel hype dabei, aber komischerweise ein hype, der sich bis jetzt noch gar nicht so richtig kommerziell auszahlt
S: wieviel verdienst du?
L: das kann ich natürlich jetzt hier in dem interview nicht verraten, (räusper) ob ich schon reich bin oder nicht
S: aber es sind über 1000 mark im monat ?
L: weit über 1000 mark--- hähä --- nee, es ist momentan ein phänomen, aber was das letztendlich bringt, das kann man heute noch nicht sagen, für mich persönlich ist '98 auch das jahr gewesen, in dem klar wurde, einen schlussstrich mit der band zu ziehen, nachdem wir '97 mit "messer" die platte in jamaica gemacht haben, in die wir natürlich sehr viel hoffnung reingesetzt haben, die dann aber keine sau interressiert hat, und das mehr an kohle und aufwand nicht wieder reingebracht hat
S: den jamaicanern gings seinerzeit nicht anders, die wurden auch die ersten jahre völlig ignoriert, bevor sie sich dann weltweit respekt verschafften
L: ja, aber was ich sagen will ist, daß, wenn du eine band hast, und versuchst damit, deine musik unter die leute zu bringen, und das natürlich auf eine aufwendige art und weise, sprich, mit einer riesigen band, die eben nicht nur 3 mitglieder, sondern manchmal auch 10 hatte, daß da einfach ein bestimmter finanzieller rücklauf da sein muß, und es war eigentlich klar nach dieser platte, daß das überhaupt nicht funktioniert hat, der aufwand, der betrieben wurde, und auch die kohle, die da reingesteckt wurde in so ein album, das hat sich eben in deutschland nicht ausgezahlt, und dann war es ja so, daß sich '98, nachdem das klar war mit dem album, für mich die frage stellte, bin ich selber blöd, oder die leute?
S: na, die leute
L: hähä, das weiß ich mittlerweile auch, das wußte ich eigentlich damals auch schon, aber das war nur ein anstoß dafür, daß ich letztlich (matze kommt rein, ein hallooo in der bude, give me five etc.) gesagt habe, ich will nach kingston gehen, um rauszufinden, ob ich's dort schaffen kann, das war dann auch der schritt, als ich vom sänger zum produzenten gewechselt bin, und seitdem ist für mich eigentlich auch immer klarer geworden, daß reggae eine internationale musik ist, die in verschiedensten ländern gehört wird, und das ist auch der ansatz von dem label, daß ich jetzt nicht drauf baue, hier einen artist zu finden, der hier tierichst crossovert und großen erfolg hat, sondern wirklich einfach das zu machen, was ich seit 15 jahren mache, in dem fall jetzt speziell dancehall, und mich mit den konkurenten aus dem mutterland zu messen, ob's dann dazu reicht auf dem reggaemarkt....?
S: du arbeitest also auch auf internationalem sektor?
L: das label ist natürlich ein deutsches label, und es ist von der ausrichtung bisher so gewesen, daß die produktion, also die musik in deutschland gemacht wird, sei es jetzt von tommi, seeed oder von mir, und das darauf natürlich nicht nur deutsche artists sind, sondern auch internationale, sprich jamaicanische artists, und in dem moment, wenn du jamaicanische artists hast, willst du natürlich auch die musik dorthin bringen, wo die artists auch bekannt sind, und das ist dann eben in dem fall zum großen teil england, amerika und japan, mittlerweile verkaufen wir auch in diese länder, und eben auch nach europa, und es wird natürlich immer so sein, daß ich aus deutschland bzw. leipzig komme, die labelarbeit im nationalen sinne weitergeführt wird, das heißt, daß ich mit leuten, die ich persönlich von ihrem stil her gut finde, wie z.b. dr. ring-ding, natürlich weiterhin was zusammen machen werde, und umgekehrt leute wie ring-ding oder seeed dadurch im ausland zumindest erstmal präsentiert werden, und auch ein bißchen bekannter werden können
S: wer hat "doctors darling" produziert?
L: der riddim ist von seeed
S: respekt, hut ab, ich hätte stein und bein schwören können, daß das eine jamaicanische produktion ist, ihr bringt demnächst eine compilation davon raus, da kannst du hier gleich werbung machen, das liest dann die ganze welt, sofort
L: "doctors darling" ist von seeed eingespielt und programmiert, also schlagzeug ist eingespielt, und dann geloopt bzw. getriggert, kick ist durch eine samplekick ersetzt, hihat ist akkustisch normal, aber eben nicht durchgespielt sondern 2-3 loops rausgenommen
S: also das ding hebt sich richtig ab von anderen sachen, im positiven sinne
L: ich finde der rootsmusik, die heutzutage aus jamaica kommt, fehlt einfach etwas der innovationsfaktor, und den haben halt seeed, und wenn's nur ein scratch ist, oder irgendwelche samples die da drin sind
S: da wäre ja wieder meine standardfrage, was deutschland überhaupt zum reggae beitragen kann...
L: also von meiner warte aus, so wie ich die leute hier kenne, so wie die produzieren, ist halt der gegensatz zu jamaica, daß hier wirklich auf kleinigkeiten wert gelegt wird, daß die sachen eben wirklich bis auf den letzten takt ausproduziert sind, gerade seeed sind da extrem, ich bin da eher ein bißchen jamaicanisch, ich mache ja auch keine rootsriddims, ich bin eher der hardcoremann, zur produktionsqualität ist es so, daß wir hier einfach anders rangehen, dort ist es so, da wird einfach das band eingeschaltet, dann wird alles durchgespielt von vorne bis hinten, und dann wird mal geguckt was so geht, das möchte ich jetzt auch nicht als schlecht bezeichnen, wenn aber für mich ein rootsriddim keine unterschiede aufweist zu einem rootsriddim vor 20 jahren, dann brauchst du es halt nicht zu machen, wenn man heute roots macht, muß man sich irgendwie weiterentwickeln, ansonsten haben sly&robbie etc. vor 20 jahren alles gesagt in dieser richtung, ok, heutzutage fangen sie in jamaica wieder an, alles einzuspielen, wobei ich als musikgeschmäckler sagen muß, daß mir die sachen, wie sie soundmäßig heute klingen, so schlagzeugmäßig.....die toningenieure scheinen alle weggestorben zu sein, 1. ist die technik nicht mehr da und 2.gibt es die studios in denen sich auch noch zeit gelassen wurde, das schlagzeug dann immer an der selben stelle stand und der raum auch die entsprechende größe hatte usw., nicht mehr
S: damals wurde ja auch nur deswegen gespielt, weil es schneller ging, weil man an einem tag eine ganze platte im kasten hatte, ohne große vorbereitung
L: ja, aber heutzutage hat keiner mehr die zeit dafür, oder es läßt sich keiner die zeit, einen ordentlichen soundcheck zu machen mit dem schlagzeug, du kannst dir z.b. die neuen skatalites-platten anhören, zum wegrennen vom sound her, und in sofern denke ich, daß das der ansatz sein müßte, für jemanden, der in der akkustischen richtung produziert, sich wirklich auf solche sachen wie schlagzeug sound ganz einfach mehr zu konzentrieren, ansonsten wirst du immer abstinken gegen die aufnahmen aus den frühen 80ern
S: ich werde es mir hinter die ohren schreiben!---wer sind die "germaicans"?
L: die germaicans sind aus verschiedenen faktoren entstanden, es war so, daß far east vor 1,5 jahren die backingband von gentleman geworden ist, und sich dann relativ schnell abzeichnete, daß far east mehr oder weniger exclusiv für gentleman spielt, weil die anzahl der konzerte so war, daß es keine backingband in dem sinne mehr war, daß man nicht mehr x konzerte mit verschiedenen artists nebenbei machen konnte, daß far east maximal mal auf dem splash einen rootsartist aus jamaica begleiten konnte, aber nie und nimmer mehr eine reguläre backingband war, außerdem ging far east immer mehr in die rootsrichtung, und insofern war der gedanke, von marco hauptsächlich, daß man noch eine dancehall-backingband macht
S: wer spielt noch alles mit?
L: marco spielt schlagzeug, dann haben wir einen keyboarder, raphael aus berlin, und ich spiele bass, die letzten jahre war auch immer so die frage, kann man jamaicanische artists nach deutschland holen, aber in dem moment, wenn sie eine eigene band mitbringen, kannst du es schon finanziell vergessen, du hast halt 5 flüge mehr, mußt denen noch irgendwelche tagespauschalen zahlen usw., und deswegen haben wir uns auch für die 3mann-variante entschieden, das halt so billig und klein wie möglich zu halten, daß es irgendwelche touren nicht budgetmäßig in frage stellt, für uns ist es natürlich eine gute möglichkeit, so die ganze idee von reggae-dancehall in deutschland original zu repräsentieren, daß man eben die künstler, die man selbst auf dem eigenen label veröffentlicht, sozusagen begleiten kann, und das machen wir in zusammenarbeit mit "kingstone", das ist ein sound aus köln, der eigentlich lokal die größten reggaeveranstaltungen macht, und rodney, dem der sound gehört, ist eben auch noch bookingagent und hat europaweit kontakte, hat z.b. tanya stephens und t.o.k. gemacht, oder als damals sean paul hier war mit red rat und buccaneer, hat ja far east die backingband gemacht. es ist praktisch so, daß wir die musikalische seite stellen, und er das booking und tourmanagement macht
S: ok, letzte frage, bist du leipziger, bleibst du leipziger, ist das deine heimat, wie hast du dich gefühlt, 2 jahre in jamaica?
L: hm, wie hab ich mich in jamaica gefühlt, gute frage, kingston ist für mich auch sowas wie eine heimatstadt, wenn du da reinfliegst, und siehst, wie alles aussieht, dann weißt du wieder : "aha, alles klar, jetzt bist du hier", aber ich bin nun mal gebürtiger leipziger, und leipziger sind nun mal bodenständig, und das wird auch noch eine weile so bleiben, nee, ich denke auch, daß leipzig die coolste stadt ist in deutschland
S: und berlin?
L: berlin ist auch eine gute stadt, aber ist für mich persönlich einfach zu groß, in leipzig kenne ich halt alles, da weiß ich, in welche ecke ich gehe, und wo ich was kriegen kann, hier hab ich meine ganzen freunde und in meinem fall sogar eine relativ große familie, insofern stellt sich die frage für mich nicht wirklich, selbst damals '89, als wir uns gefragt haben, ob wir bald die einzig übriggebliebenen sind, hab ich mich nicht wirklich weggezogen gefühlt.
S: leipzig rules!
L: .... big up!
S: guter abschluss, danke!

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